Eine ganz und gar wahre Geschichte!

Heute Morgen hatte ich – seit längerem – mal wieder ein bisschen Zeit, weshalb ich mich mit meiner Tasse Milch-Kaffee (aus der völlig logischerweise eine exotische Anti-Brüh-Schwimm-Spinne kroch, hat wohl in meiner teuren Kaffee-Mischung gelauert) vor meinen Computer setzte und die Twoday-Komms der vergangenen Woche las.
Und sogleich mit einem ernsten Problem konfrontiert wurde. Steht tatsächlich in jedem Blog nur die Wahrheit? Die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit? Außer in meinen natürlich, aber das versteht sich ja von selbst. Oder (grausige Vorstellung) plagiieren manche Schreiber doch gelegentlich mal Worte aus anderen Blogs? Gar ganze Sätze?
Das alles wälzte sich tiefsinnig durch mein Gehirn, während ich auf meinem fünften Butterbrot kaute. Ich muss mich sputen, denn ich habe gestern aus Versehen 17 Brote gekauft. Dafür leider nur eine Stachelbeere. Das wirft jetzt einige Fragen zur praktischen Umsetzung meines Stachelbeer-Kuchen-Rezepts auf. Aber das ist schließlich nicht Ihr Problem, also beachten Sie es bitte gar nicht.
Jedenfalls, während ich noch über eine geeignete Unterbringungs-Möglichkeit für die Spinne nachdachte (Mikrowelle fällt aus, da trockne ich grade mein neuestes Haustier, eine Ratte, die ihr langjähriges Zuhause, ein gemütliches Zug-Klo an eine dicke Frau verloren hat, die dort seit 5 Wochen in der Schüssel festklemmt, wofür die Ratte ja nix kann) klingelte es an der Tür. Es war mein Nachbar, der sich darüber beschweren wollte, dass ich sein Trampolin kaputt gemacht habe. Schon wieder.
Das zweiunddreißigste übrigens, weswegen wir auch schon x-mal bei der Schiedskommission waren.* Es ist nämlich so. Ich bin ein überaus gelenkiger Schlafwandler, klettere nachts vorzugsweise aus dem Fenster und springe dann – mit einem sauber durchgeführten dreifachen Salto – nach unten. Das muss Sie jetzt nicht beunruhigen, denn der vorerwähnte Nachbar leidet unter dem obsessiven Zwang, jede Nacht direkt unter meinem Fenster ein Trampolin aufzustellen, vermutlich um gymnastische Übungen zu machen. Leider weiß er das nicht so genau, weil er bis jetzt nie zu kam. Also seinen Zwang auszuleben. Weil ich ja immer, bevor er überhaupt irgendwas machen kann, auf dem Ding lande. Weswegen er wiederum nicht so genau weiß, WAS eigentlich sein Zwang ist.
Ein Teufelskreis!
*Unglücklicherweise für unseren nachbarlichen Frieden hat der Schieds-Mensch, ein gewisser Karl Nickel, letztens eine Erbse verschluckt und will erst warten, bis die Erbsenstaude voll ausgewachsen ist. Schon von seiner Berufung her, gab er an, sieht er sich außerstande einer unschuldigen Erbse ihre Bestimmung zu verweigern, weshalb er nun leider wegen der Folgen des ständigen Bewässerns (ich glaube, er gießt sich alle halbe Stunde eine Kanne Wasser über den Kopf) in seiner Badewanne leben muss. Was ganz blöde ist, weil ich zum ersten Mal so richtig schön kontern könnte. Wegen der miesen Kwalität der letzten 6 Trampoline. Hätte mir zweimal beinahe die Knochen gebrochen.
Zum Schlafwandeln neige ich übrigens nur, wenn mir am Tag vorher was Sonderbares zugestoßen ist. Und Sie ahnen es sicher schon, wenn ich „sonderbar“ sage, muss es sich um ein Ereignis handeln, das schon vor langer Zeit die Region der im üblichen Sinne mit „sonderbar“ gemeinten Vorkommnisse verlassen hat und jetzt grade mit Lichtgeschwindigkeit über die Gefilde des eigentlich Unbeschreiblichen hinweg saust. Falls es nicht schon in der Dimension Super-Gaga angekommen ist.
Wie dem auch sei. Ich habe gestern eine Atom-Bombe gefunden. Als ich – in meinem neuesten Terry Pratchett Buch blätternd – in eine Baugrube gefallen bin. Die immerhin halb voll Schlamm war, weshalb ich mich wenigstens nicht allzu sehr an der Bombe gestoßen habe. Der Bauleiter – der sich mir als Rainer Gries vorstellte – reichte mir zuerst eine Cola, dann seine Hand und zog mich etwas mürrisch aus dem Loch. Und während er mit einem Auge auf ein Stück Papier schielte, das sich später als eine genauere Beschreibung von mir rausstellte, die ihm sein Vorgänger hinterlassen hatte, deklamierte er (nur geringfügig) leiernd – aber doch mit angemessenem Nachdruck - die dort niedergeschriebenen Sätze. Es täte ihm leid, blabla, selbstverständlich würde seine Firma für die Reinigung meines verschlammten Selbst aufkommen und so weiter und so weiter.
Ich weiß ja nicht was da stand (Vorsicht! Bissiges Ekel?) aber im Grunde hätte sich der Mann seine Mühen sparen können, denn ich war nicht mal ansatzweise in der Lage zu meckern. Geschweige denn ihn zu treten. Oder so. Wegen des letzten „und so weiter’s“.
Achtung! Jetzt kommt das sonderbare Ereignis!
Denn – ich weiß, ich weiß, das klingt jetzt total unglaublich – aber auf Ehre und Gewissen, zum Schluss versicherte mir Herr Gries allen Ernstes, dass dieses Loch (das eigentlich schon mein ganze Leben lang die Straße auf- und nieder wandert) BIS SPÄTESTENS NÄCHSTEN MITTWOCH zugeschüttet würde. Da wäre die Bau-Maßnahme beendet! Beendet? Sinnloses Löcher-Gebuddel? Hier? Bei uns?
Ich sage Ihnen, ich war glattweg versteinert. Konnte kein Wort sagen.
Was auch besser war. Denn just in dem Moment kam ein Araber vorbei, der sich herzlich bedankte, dass ich seine Bombe gefunden hätte (ich wusste gar nicht mehr, von was der eigentlich redet) und ob ich Finderlohn haben wollte. Mit der nur äußerst mühsam zu manifestierenden Vision einer Baugruben-freien Straße vor Augen, murmelte ich was in der Art: „Keine Ursache, gern geschehen.“
Woraufhin mir der arabische Herr (RindsWaden?) verschwörerisch ins Ohr flüsterte, ich solle dieses Weihnachten auf GAR KEINEM FALL an den Nordpol zum Weihnachtsmann reisen, weil der just an diesem bestimmten Tag (die Info wäre hundertprozentig richtig!) in die Luft fliegen würde!
Ich glaube, das war mir vorher schon vage bewusst, aber Herr RindsWaden (?) hatte es ja nur gut gemeint. Weshalb ich es nicht schön von Herrn Gries fand, Herrn RindsWaden (?) so argwöhnisch zu mustern.
In diesem Moment fiel ein Klosett-Deckel vom Himmel und erschlug Herrn RindsWaden (?). Dumme Sache, dachte ich mir, und machte mich vom Acker. Das war eine kluge Entscheidung. Denn noch während ich lief, hörte ich hinter mir Herrn Gries rufen: „Hey! Holt mal die Werkzeuge! Wir haben hier mindestens eine Niere und...“
Igitt! Kann ich da nur sagen.
Und froh sein, dass ich den Rest nicht mehr gehört habe. Andererseits sind Bauarbeiter ja recht markige Kerle. Was man schon daran erkennen kann, dass sie ihr Ess- Besteck offenbar ‚Werkzeug’ nennen. Und wenn ich es auch persönlich ober-eklig finde Innereien zu verspeisen (vermutlich gab’s Kartoffelbrei und Zwiebelringe dazu) muss es doch gewirkt haben.
Denn heute Morgen war die Bau-Grube nicht nur einfach zu. Nein! Die hatten sogar Beton drauf gegossen. Dabei ist es erst Samstag! Für soviel Einsatz hat Herr Gries dann offenkundig völlig angemessen einen schönen Bonus bekommen. Denn als er vorhin wegfuhr, tat er das nicht etwa in seiner alten Klapperkiste, sondern in einem nagelneuen Benz.
Seltsamerweise lag dafür in meinem Briefkasten ein Zettel, auf dem: „Ich weiß, wo du wohnst!“ stand. Das ist ja nun keine besondere Leistung. Ich weiß schließlich auch, wo ich wohne. Aber Sie werden es kaum glauben, als ich das Ding ratlos hin und her drehte, las ich plötzlich auf der Rückseite: „Und ich weiß, was du letzten Sommer getan hast!“
DAS ist allerdings bemerkenswert.
Wenn auch unbefriedigend. Denn ich weiß es nicht mehr. Ich hoffe nur, der Zettel war nicht von dem Baumfäller, der sich letzten Juni (ich glaube, es war Juni, könnte aber auch Juli oder August gewesen sein) vermutlich versehentlich auf die Rückbank meines Autos verirrt hatte. Dachte sicher, es wäre seins und wollte da grade in Ruhe seine Axt verstauen, als ich daher kam und völlig ahnungslos – Das schwöre ich! – vorn eingestiegen bin und meine Tasche nach hinten geschmissen habe.
Wer kann denn auch ahnen, dass so was ausgerechnet an dem Tag passiert, an dem es extra große Duschköpfe mit 10 variablen Einstellungen im Sonderangebot zu kaufen gibt? Es hat jedenfalls ziemlich laut „Klonkkkk“ gemacht und dann ist der arme Mann wie eine Rakete aus der Tür geschossen. Ich habe ihm noch seine Axt nachgeworfen (ich bin ja kein Dieb) und weg war ich.
Wie jetzt? Fahrerflucht? Übertreiben Sie nicht so. Auch wenn ich – zugegebenermaßen – froh war, dass der Typ wegen der riesigen Beule am Kopf mein Nummernschild vermutlich nicht erkennen konnte.
Deshalb verstehen Sie sicherlich, warum mir jetzt ein wenig mulmig zumute ist. Nachher hat der mich doch gefunden. Und will mich bei der Polizei anzeigen. Oder Schmerzensgeld haben. Oder Schadensersatz? Denn leider, das muss ich mal zugeben, habe ich den kernigen Strick und die Klebeband-Rolle erst gefunden als ich wieder zuhause war. Na, wenn er das ist (mit dem Zettel) habe ich zumindest eine gute Entschuldigung. Ich habe nämlich gleich in der nächsten Woche (anonym) eine Anzeige aufgegeben: „Strick mit Schlinge und Klebeband-Rolle gefunden. Melden Sie sich bei der Redaktion!“
Die Frau von der Anzeigen-Annahme kam mir ein Tickelchen skeptisch vor, außerdem hat sie behauptet, der würde sich bestimmt nicht melden. Und was soll ich Ihnen erzählen. Sie hatte Recht.
Na ja.
Ich geh jetzt mal nach meiner Ratte gucken. Müsste eigentlich trocken sein. Außerdem muss ich immer noch ein Plätzchen für die sehr haarige Spinne finden. (Sonderbarerweise schwebt mir dauernd ein Name mit P. vor Augen, muss was Unterbewusstes sein.) In die Kaffee-Tüte kann sie nicht zurück. Die ist leer. Vielleicht mag sie ja Bananen. Hab mir eben ein Kistchen voll gekauft. Obwohl, die eine Banane sieht ein bisschen eigenartig aus. Haben Bananen manchmal grün-schwarze Streifen? Und können zischen? Wie dem auch sei. Ich habe keine Zeit mehr und kann ich Ihnen deshalb leider erst nächste Woche erzählen, wie es weiterging.
Allerdings nur, wenn Sie mir nicht mit irgendwelchen dämlichen Links von Seiten kommen, wo Sie das hier (oder was Ähnliches) schon mal gelesen haben wollen. Denn falls Sie es noch nicht gemerkt haben, Besserwisser sind mir ein Greuel** und Recht habe sowieso immer nur ich!
Also ärgern Sie mich nicht, denn dann gucke ich ganz fies auf Ihren Nick und rufe dreimal laut: „MANILA“. Das ist Wudu und dann fallen Sie tot um.
Ungelogen.

**Gr(e!)uel
NoXxLynXx - 28. Aug, 19:19