
Ich muss mal was gestehen.
Ich bin ein lausiger Filme-Gucker.
Schlafe meistens bei ein.
Allerdings sehr selektiv.
Was manche so richtig erbost.
Von
Titanic zum Beispiel kann ich bis heute nur sagen, dass irgendwelche Leute mit riesigen Hüten eine schmuddelige Treppe hoch laufen und (weil mich auch beim x-ten Versuch das gleiche Geheule geweckt hatte) schon wieder derselbe Kerl schmalzig kwäkend im Wasser versank. Von
E.T. (da hatte ich zirka 10 Anläufe) kenne ich wahrhaftig nur die Szene mit dem Fahrrad vorm Mond, keine Ahnung wieso ich just da immer kurz aufwache. Hat mich beim ersten Mal mächtig verwirrt. Dachte allen Ernstes ich hätte was Falsches gegessen und einen irren Traum. Beim
Paten bin ich hochgeschreckt, als grade einer sagte: “
Luca Brasi liegt jetzt auch bei den Fischen“ Woraufhin ich total perplex rumgrübelte, ob der Film schon vorbei und ich nunmehr bei einem sehr speziellen Porno gelandet wäre. Und
Forrest Gump wird für mich für alle Zeiten – und egal wie oft ich es versuche - der Film bleiben, bei dem Herr Hanks fortwährend auf einer Busbank sitzt und Pralinen anpreist.
Sie sehen schon.
Ich habe gewisse Schwierigkeiten.
Mit angesagten Filmen.
Andererseits könnte ich
Star Wars im Traum mitsingen und jede Bewegung in
Matrix nachmachen. Gut. Danach hätte ich mir alle Knochen gebrochen und wäre höchstwahrscheinlich tot. Selbst wenn ich das mit dem Rumgeschwebe ließe. Aber ich könnte es. Erinnerungstechnisch. Und wenn ich das hundertste Mal
Equilibrium angucke, werde ich am Schluss immer noch so putzmunter sein wie Jules als er mit Mia Wallace die Jack Rabbit-Slim-Trophäe gewann.*
Also.
Wie Sie sehen, gibt es auch Ausnahmen.
Die gibt es ja immer.
Womit ich nunmehr ein paar Filme abgehandelt habe, bei denen ich regelmäßig einschlafe und ein paar andere, die ich immer wieder gucken kann. Das sind natürlich nur Beispiele, aber wem sage ich das. Wollte nur so eine allgemeine Richtung meiner Interessen vorgeben. Ist für mich ein unbedingtes Muss in Zeiten, wo alle anderen (siehe Selbstbeschreibungen) nur Off-off-off-Filme (oder allerhöchstens noch äquatorialguineaische mit Untertiteln) gucken und Satre und Kerouac lesen. (Einen Miller, deuten die meisten barsch an, empfinden sie schon als seichte Zumutung.)**
Es gibt aber noch eine dritte Kategorie.
Meines cineastischen Lebens.
Die Film-Schnipsel-Guckerei.
Meine wahre Leidenschaft!
Es gibt nämlich Film-Schnipsel (in ansonsten brüllend lahmen Filmen) die ich so gern gucke, dass ich mir etliche davon aufgenommen und mittels Magix aneinander gereiht habe. Weil sie so ungemein lehrreich sind. Das wahre menschliche Verhalten geradezu beispielhaft wiederspiegeln. Es sind meine absoluten Lieblinge im Kontinuum der verschmalzten
Das-Leben-ist -ein-Film-und-da-beharre-ich-drauf-Mentalität all jener hähä Sartre und Kerouac-Leser.
Um was es da geht?
Bei meinen Schnipseln?
Na also bitte.
Natürlich um die Dunkle Straßen / Dunkle Ecken / Dunkle Keller-Schnipsel.
(Im Zusammenschnitt mit einem etwas
anderen Mittelteil. Aber dazu später.***)
Sie wissen schon. Irgendwer (
früher warn’s immer memmig kreischende Tussen, heute hat die Emanzipation gesiegt, deswegen dürfen jetzt auch Männer feige kreischen) sitzt fröhlich in einem hell erleuchteten Raum, steht auf einer knacke-vollen Straße, läuft mit 1000 anderen durch einen dusteren Wald und so weiter und hört plötzlich ein unheimliches Geräusch.
Aus einer dunklen Ecke. Sackgasse. Keller. Gebüsch. Vor dem/der meistens noch eine Telefonzelle steht. Oder ein Polizist. Oder beides. Na gut. Heutzutage hat der baldige Schnipsel-Kandidat meist ein Handy in der Hand. Oder wenigstens in der Tasche.
Aber ruft der/die jetzt die Polizei herbei?
Wie das doch wohl jeder Idiot tun würde?
Und rennt dann im Schweinsgalopp in die entgegengesetzte Richtung, meinetwegen laut
Hilfe schreiend? Mischt sich unters (haufenweise da rum lungernde) Volk? Mitnichten. In jedem besseren Thriller oder Horror-Schinken läuft derjenige immer direkt ins Dunkle. Natürlich allein. Dem Mörder / Monster (mir?) genau in die bösen Arme. Tentakel. Klauen. Oder was immer das hat. Und mit richtig viel Glück (für mich) entkommt das schon etwas angefressene Opfer sogar noch mal kurz, rast auf sein Auto / seine Haustür zu und verliert prompt den Schlüssel.
Den verlieren die immer.
Worauf dann das Gemetzel folgt.
Das sind so meine Momente echter Heiterkeit. Manchmal kommen mir sogar die Tränen. Vor lachen. Natürlich bin ich immer auf der Seite des Monsters. Hab bis heute nicht begriffen, was andere daran so stört. Soll ich etwa mit einem Haufen Armleuchter, die sich (im übertragenen Sinne) das Klavier praktisch vorsätzlich auf den Kopf schmeißen Mitleid haben? Komme ich Ihnen so vor?
Na bitte.
Ein mir sehr nahes Familien-Mitglied ist übrigens der Meinung, diese „
Verkehrung meiner Werte“ sei einem Opern-Besuch in meiner frühen Jugend anzulasten. Bei der ein Kerl, der gerade bei seiner Geliebten war, die wiederum ihren Mann die Treppe hoch eilen hörte, solange: „
Ohohohoho meiheiheihein Gohohott! Er kohohohohohoho….mmmmt“ trällerte, bis nicht nur der Gatte tatsächlich durch die Tür kam und den singenden Hampel erstach, sondern ich mich – getrieben vom heiligen Zorn der Logik und unseligerweise ziemlich laut - über die Blödheit des dekorativ Dahingeschiedenen ausließ.
Jetzt, so im Nachhinein bin ich mir ziemlich sicher, dass ich das Publikum möglicherweise doch ein wenig mit der geballten Kraft meiner jugendlichen Überheblichkeit verstörte, als ich den Ruhe-Zischern um mich rum recht verärgert entgegen hielt, dass die Pfeife, wäre er nur still gewesen oder hätte wenigstens schneller gesungen, zehnmal über die Fensterleiter (über die er gekommen war) hätte abhauen können. Woraufhin sich der (erstochene) Künstler erhob und verkündete, er wolle nur weiterspielen, wenn ich den Saal verließe.
?
Der Typ war dramaturgisch tot. Was wollte der noch spielen? Eine rum liegende Leiche? Was soll ich sagen. Undank ist der Welten...
Ja, Sie haben's erraten. Auch der Hinweis hat ihm nicht gefallen. Obwohl er völlig logisch war. Und ein großer Teil des stumm auf seine Schuhspitzen starrenden Publikums – da können die behaupten was sie wollen – war genau derselben Meinung. Das Ende können Sie sich wohl leicht vorstellen.
Nachdem mich meine Erzeuger (
das große Taschentuch vorm Gesicht meines Vaters, darauf beharrte er bis zuletzt, sei nur das Resultat eines jähen Anfalls von Schnupfen gewesen und wenn ich Geräusche gehört hätte, dann gewiss nur sein daraus resultierendes Niesen) streng nach draußen eskortiert hatten, musste ich mir in den nächsten Wochen unendlich lange Vorträge über verschiedene Kunst-Formen anhören. Die eben nicht das Leben wiederspiegeln, sondern gerade durch solche Unsinnigkeiten den Fortlauf einer Geschichte sichern sollen.
Kwark.
Gutgemeinter, intellektuell sicher prima schlüssiger, aber nichtsdestotrotz Kwark.
Was die andere Sache betrifft, bin ich mir nicht ganz so sicher. Könnte wirklich sein, dass sich mein Gehirn seit jenem Ereignis strikt weigert, mit solchen - sich geradewegs in jede Gefahr plärrenden Trotteln – auch noch mit zu leiden. Und den viel effizienteren, weil ruhig und zügig sein Ding durchziehenden Mörder-Ehemann bevorzugt. In jeder nur denkbaren Kunst-Form.
Und jetzt fragen Sie sich vielleicht, warum ich Ihnen das erzähle. Wozu das gut sein soll, und vor allem wieso Teil 1?
Na, wer hindert Sie denn dran, solch interessante Blogs wie jene über die heutige Darmleistung Neugeborener in exakten Gramm-Angaben, Strickanleitungen für karierte Westen und GPS-gestützte Hinweise zum Auffinden von Elfen als Alternative zu lesen?
Ich bestimmt nicht.
Wobei ich allerdings zugeben muss, dass mein Gekwatsche eher ‚
Vorwort zu einem extremst unwirklichem Zustand, in dem ich mich heute Morgen wiederfand’ als Teil 1 hätte heißen müssen.
Na ja.
Falls Sie morgen da sind, werden Sie es verstehen.
Oder auch nicht.
Vermutlich: Oder auch nicht.
***Jetzt hätte ich doch beinahe meinen oben angekündigten Mittelteil vergessen. Was schade wäre, denn ich hänge voller Hingabe dran. Ist ein Schnipsel aus einem Bollywood-Film. Mit einer äh, na ja, Massen-Tanzszene. Wüsste nicht, wie ich das anders bezeichnen soll. Allein die Musik - eine schaurige Zusammenstellung der gruseligsten Disco-Brüller, gemixt mit (keine Ahnung, klingt primär schräg und schrill), gespielt auf höchst exotischen Instrumenten - ist es allemal wert, sich das Dings anzugucken. Wäre von selbst nie auf die Idee gekommen, dass irgendwer eine 70er-Jahre Disco-Kugel auf eine indisch dekorierte bayerische Alm hängt, auf deren abschüssiger Wiese gut hundert grell-bunte Tüll-Schnallen mit violetten Augendeckeln zusammen mit ebenfalls hundert ver-indisierten Travolta-Parodien neckisch auf- und nieder hüpfen. Ich kann Ihnen uneingeschränkt versichern, da haben Sie beim Zugucken einen echten AHA!-Moment. Oder fallen ins Koma.
*Aus aktuellem Anlass eine kleine Ergänzung meiner Lieblings-Film-Liste: Ich trage seit gestern stolz ein Ice-Age-Pflaster im Gesicht (wo das Hörnchen liebevoll seine dumme Nuss umarmt, schien mir passend). Und soeben erfuhr ich – was mich mächtig neidisch macht – dass ein mir randläufig bekannter User im shrek-lichen Land Ganz-weit-weit-weg lebt! Warum passiert mir nie so was? Das ist doch ungerecht.
** Damit im Blog die bildenden Kunst für all jene o.g. Feingeister im Net auch nicht zu kurz kommt, hier eine hoch innovative Statuette? Dingsbums? (Über deren wahren Charakter ich mich mit dem Foto-Künstler, der dieses Kunstwerk verklärt aufnahm, leider nicht einigen kann. Vorschläge an Dummbatze wie uns sind immer willkommen.)